Remarketing · 14 min Lesezeit

Google Ads Remarketing: Besucher zurückholen die nicht gekauft haben

97 % der Website-Besucher kaufen beim ersten Besuch nicht. Mit Remarketing erreichst du genau diese Menschen erneut – auf Google, YouTube und im Display-Netzwerk. Hier erfährst du, wie du Remarketing einrichtest, welche Listen du brauchst und welche Fehler du vermeiden musst.

Fabian Hase · · 14 min Lesezeit

Was ist Remarketing und warum funktioniert es so gut?

Remarketing (auch Retargeting genannt) zeigt deine Anzeigen Menschen, die bereits mit deiner Website oder App interagiert haben. Statt kalte Zielgruppen anzusprechen, erreichst du Nutzer, die dein Angebot bereits kennen – und deshalb eine deutlich höhere Kaufwahrscheinlichkeit haben.

Die Zahlen sprechen für sich: Remarketing-Kampagnen erzielen im Durchschnitt 2–3x höhere Conversion Rates als Prospecting-Kampagnen. Der Grund ist simpel – du erreichst Menschen, die bereits Interesse gezeigt haben. Der erste Kontakt ist der teuerste. Remarketing macht den zweiten, dritten und vierten Kontakt möglich.

Damit Remarketing funktioniert, brauchst du sauberes Tracking. Ohne korrekt implementiertes Google Tag (gtag.js) oder Google Tag Manager kann Google keine Remarketing-Listen aufbauen. Das ist die absolute Grundvoraussetzung.

KampagnentypØ Conversion RateØ CPCØ ROAS
Prospecting (Search)2,5 %1,20 €350 %
Remarketing (Display)0,8 %0,35 €520 %
Remarketing (Search/RLSA)5,2 %0,95 €680 %
Dynamisches Remarketing1,4 %0,40 €740 %
„Remarketing ist kein Nice-to-have – es ist Pflicht. Wer 95 % seines Budgets für Neukunden ausgibt und Remarketing ignoriert, lässt den profitabelsten Kanal links liegen. Wir empfehlen 10–15 % des Gesamtbudgets für Remarketing.“

Dynamisches Remarketing für E-Commerce

Standard-Remarketing zeigt allen früheren Besuchern die gleiche Anzeige. Dynamisches Remarketing geht einen Schritt weiter: Es zeigt jedem Nutzer genau die Produkte, die er sich angesehen hat – inklusive Bild, Preis und Verfügbarkeit.

So funktioniert dynamisches Remarketing

Google verknüpft zwei Datenquellen: Deinen Produkt-Feed aus dem Google Merchant Center und die Tracking-Daten von deiner Website. Wenn ein Nutzer Produkt X anschaut aber nicht kauft, sieht er später eine Anzeige mit genau Produkt X – auf Display-Websites, in Gmail oder auf YouTube.

Voraussetzungen

  • Google Merchant Center mit aktuellem Produkt-Feed (Preise, Bilder, Verfügbarkeit)
  • Remarketing-Tag mit dynamischen Parametern (ecomm_prodid, ecomm_pagetype, ecomm_totalvalue)
  • Mindestens 100 aktive Nutzer in der Remarketing-Liste (Google-Minimum für Display)
  • Feed und Tag müssen matchen: Die Produkt-IDs im Tag müssen identisch mit den IDs im Feed sein

Dynamisches Remarketing ist besonders effektiv für Shops mit großem Sortiment. Ein Fashion-Shop mit 5.000 Produkten kann unmöglich für jedes Produkt manuell Anzeigen erstellen. Dynamisches Remarketing erledigt das automatisch – und zeigt jedem Nutzer relevante Inhalte.

ParameterBeschreibungBeispiel
ecomm_prodidProdukt-ID (muss mit Feed matchen)SKU-12345
ecomm_pagetypeSeitentypproduct, cart, purchase
ecomm_totalvalueWarenkorbwert89.90
ecomm_quantityAnzahl Produkte2

Die wichtigsten Remarketing-Listen

Nicht jeder Besucher ist gleich wertvoll. Ein Nutzer, der 3 Minuten auf deiner Produktseite war, ist wertvoller als jemand, der nach 5 Sekunden abgesprungen ist. Deshalb brauchst du segmentierte Listen – mit unterschiedlichen Geboten und Botschaften.

1. Alle Website-Besucher (30 Tage)

Die breiteste Liste. Gut für allgemeine Markenbekanntheit, aber niedrige Conversion Rate. Gebote sollten niedrig sein – diese Nutzer haben wenig Kaufintention gezeigt.

2. Produktseiten-Besucher (14 Tage)

Nutzer, die mindestens eine Produktseite besucht haben. Das ist deine wichtigste Remarketing-Liste. Diese Menschen haben aktiv nach einem Produkt geschaut, aber nicht gekauft. Hier lohnen sich höhere Gebote.

3. Warenkorbabbrecher (7 Tage)

Die heißeste Liste: Nutzer haben ein Produkt in den Warenkorb gelegt, aber den Kauf nicht abgeschlossen. Conversion Rate typischerweise 3–5x höher als bei allgemeinen Besuchern. Hier darfst du aggressiv bieten.

4. Bestehende Kunden

Customer Match erlaubt es, E-Mail-Listen hochzuladen. Nutze das für Cross-Selling (Kunde kaufte Schuhe → zeige passende Socken) oder für Wiederholungskäufe bei Verbrauchsgütern.

5. Ähnliche Zielgruppen (Similar Audiences)

Google erstellt automatisch Zielgruppen, die deinen besten Kunden ähneln. Technisch kein Remarketing, aber eng verwandt. Gute Brücke zwischen Remarketing und Prospecting.

ListeLaufzeitEmpf. Gebot (relativ)Erwartete Conv. Rate
Alle Besucher30 TageBasis0,5–1,0 %
Produktseiten14 Tage+50 %1,0–2,0 %
Warenkorbabbrecher7 Tage+100–150 %3,0–5,0 %
Bestehende Kunden180 Tage+30 %1,5–3,0 %
„Die größte Remarketing-Sünde: Alle Besucher in einen Topf werfen. Ein Warenkorbabbrecher braucht eine andere Botschaft als jemand, der die Startseite 3 Sekunden gesehen hat. Segmentiere deine Listen – oder verschenke Geld.“

RLSA: Remarketing für Suchanzeigen

RLSA (Remarketing Lists for Search Ads) ist eine der unterschätztesten Funktionen in Google Ads. Statt Remarketing auf Display zu beschränken, erreichst du frühere Besucher direkt in der Google-Suche – wenn sie erneut nach relevanten Begriffen suchen.

Zwei Einsatzmöglichkeiten

Bid-Only (Beobachtung): Deine Kampagne läuft normal, aber du erhöhst Gebote für Nutzer, die bereits auf deiner Website waren. Beispiel: Standard-Gebot 1,50 €, aber +40 % für Remarketing-Nutzer = 2,10 €. Mehr Sichtbarkeit für warme Kontakte.

Target (Ausrichtung): Deine Anzeigen werden nur Nutzern gezeigt, die auf deiner Remarketing-Liste stehen. Das erlaubt dir, auf breite Keywords zu bieten, die sonst zu teuer wären. „Schuhe kaufen“ ist als generisches Keyword extrem teuer – aber wenn du es nur früheren Besuchern zeigst, wird es profitabel.

RLSA Best Practices

  • Mindestgröße beachten: RLSA-Listen brauchen mindestens 1.000 aktive Nutzer (mehr als Display mit 100)
  • Separate Kampagne erstellen: Mische RLSA nicht mit normalen Suchkampagnen – du brauchst eigene Budgets und Gebote
  • Breitere Keywords nutzen: Bei RLSA kannst du Broad Match aggressiver einsetzen, weil die Zielgruppe bereits qualifiziert ist
  • Anzeigentexte anpassen: Frühere Besucher brauchen andere Botschaften – betone Vorteile, die beim ersten Besuch überzeugt haben, oder biete Anreize wie kostenlosen Versand

YouTube Remarketing: Video-Kontakte nutzen

YouTube Remarketing funktioniert in beide Richtungen: Du kannst Website-Besucher auf YouTube erneut ansprechen und YouTube-Zuschauer auf anderen Kanälen retargeten.

Website-Besucher auf YouTube ansprechen

Nutzer, die deine Website besucht haben, sehen deine Video-Ads auf YouTube. Das ist besonders effektiv für erklärungsbedürftige Produkte: Der erste Kontakt war auf der Website, der zweite ist ein Erklärvideo auf YouTube.

YouTube-Zuschauer im Search/Display retargeten

Wenn du einen YouTube-Kanal betreibst, kannst du Zielgruppen erstellen aus: Nutzer, die ein bestimmtes Video gesehen haben; Nutzer, die deinen Kanal abonniert haben; Nutzer, die ein Video geliked oder kommentiert haben. Diese Zielgruppen lassen sich in Search- und Display-Kampagnen einsetzen.

Praxis-Tipp: Die Video-Sequenz

Erstelle eine Video-Sequenz: Video 1 (Awareness, 30s) → Video 2 (Consideration, 60s) → Video 3 (Conversion, 15s mit CTA). Nur wer Video 1 gesehen hat, sieht Video 2. Nur wer Video 2 gesehen hat, sieht Video 3. Das führt Nutzer systematisch durch den Funnel.

Frequency Capping: Nicht nerven, sondern überzeugen

Remarketing ohne Frequency Capping ist wie ein Verkäufer, der dir 47 Mal am Tag dasselbe Produkt anbietet. Irgendwann nervt es – und der Nutzer entwickelt eine negative Assoziation mit deiner Marke.

Empfohlene Frequency Caps

Es gibt keine universelle Zahl, aber unsere Erfahrungswerte aus über 1.000 Konten:

KampagnentypEmpf. Frequency CapZeitraum
Display Remarketing3–5 ImpressionenPro Tag
YouTube Remarketing2–3 ImpressionenPro Woche
Warenkorbabbrecher5–7 ImpressionenPro Tag
Brand Awareness1–2 ImpressionenPro Tag

So richtest du Frequency Capping ein: In Google Ads unter Kampagneneinstellungen → „Weitere Einstellungen“ → „Frequency Capping“. Du kannst Limits pro Tag, Woche oder Monat setzen – auf Kampagnen-, Anzeigengruppen- oder Anzeigen-Ebene.

Wichtig: Performance Max und Smart Display bieten kein manuelles Frequency Capping. Google steuert die Frequenz automatisch. Das ist einer der Gründe, warum manche Advertiser bei Remarketing auf klassische Display-Kampagnen statt PMax setzen.

Remarketing Best Practices: Die 7 goldenen Regeln

1. Segmentiere radikal

Je granularer deine Listen, desto relevanter deine Anzeigen. Mindestens 3 Listen: Alle Besucher, Produktseiten-Besucher, Warenkorbabbrecher. Besser: 5–8 Listen nach Verhalten und Zeitraum.

2. Passe Botschaften an den Funnel an

Ein Startseiten-Besucher braucht andere Argumente als ein Warenkorbabbrecher. Ersterer braucht Social Proof und USPs. Letzterer braucht einen Anreiz: kostenlosen Versand, 10 % Rabatt oder „Dein Warenkorb wartet“.

3. Schließe Converter aus

Wer bereits gekauft hat, sollte keine Remarketing-Werbung für dasselbe Produkt sehen. Erstelle eine „Käufer“-Liste und schließe sie aus. Ausnahme: Cross-Selling-Kampagnen oder Verbrauchsgüter mit Wiederkaufzyklus.

4. Kürze die Laufzeit

30 Tage ist für viele Produkte zu lang. Nach 7 Tagen sinkt die Conversion-Wahrscheinlichkeit drastisch. Erstelle Listen mit 3, 7, 14 und 30 Tagen – und passe Gebote entsprechend an. Je frischer der Kontakt, desto höher das Gebot.

5. Nutze Burn-Pixel

Ein Burn-Pixel entfernt Nutzer automatisch von einer Remarketing-Liste, sobald sie eine bestimmte Aktion durchführen (z.B. Kauf). Technisch: Erstelle eine „Käufer“-Liste und schließe sie von deinen Remarketing-Kampagnen aus.

6. Teste Creatives regelmäßig

Display-Banner verlieren schnell an Wirkung (Ad Fatigue). Tausche Creatives alle 2–4 Wochen aus. Teste verschiedene Formate: Statische Banner, responsive Anzeigen, HTML5-Animationen.

7. Datenschutz beachten

Seit der DSGVO und dem Digital Markets Act brauchst du eine gültige Einwilligung für Remarketing-Cookies. Ohne Consent-Mode-Integration verlierst du bis zu 40 % deiner Remarketing-Daten. Stelle sicher, dass dein Tracking DSGVO-konform eingerichtet ist.

Fazit: Remarketing ist der profitabelste Kanal in Google Ads

Die Rechnung ist einfach: Du zahlst viel Geld, um Besucher auf deine Website zu bringen. Wenn 97 % davon nicht kaufen und du nichts tust, verschwendest du 97 % deiner Investition. Remarketing holt einen Teil dieser Investition zurück – und das zu einem Bruchteil der ursprünglichen Kosten.

Die Grundformel: Sauberes Tracking + segmentierte Listen + relevante Botschaften + Frequency Capping = profitables Remarketing. Fehlt eine Komponente, funktioniert es nicht.

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Fabian Hase

Fabian Hase

Gründer & Geschäftsführer

Fabian hat über 50 Mio. € Werbebudget verwaltet und mehr als 1.000 Google Ads Konten analysiert.

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